Welten sich drin zu verlieren | Report

Bei Shonen-Mangas mit mehr als 30 Bändern und -Animes mit unzähligen Staffeln scheiden sich die Geister. Denn wo die Einen nur vorhersehbaren Einheitsbrei gestreckt auf Hunderte von Folgen erkennen, sehen die anderen riesige Universen voll mit lieb gewonnenen Helden, abgrundtief gehassten Antagonisten und eine Quelle unbegrenzter Unterhaltung. Doch Kritikpunkte, wie die nicht mögliche Kontinuität von hoher Qualität bei einer solch schieren Masse, sind nicht bestreitbar. Doch was die Welten von Naruto, Natsu & Co. so attraktiv für die Zuschauer macht, ist nicht bloß das, was man in den Folgen zu Gesicht bekommt.

Konoha


Die Autoren bauen eine glaubwürdige Welt mit Beziehungen, Rivalitäten und Ortsfaktoren auf, die dann in der Fantasie der Fans weiterlebt. Bin ich doch noch so ein großer Fan von Death Note, so kann ich mir nicht ausmalen, wie ich dort leben würde und wie mich die Situation treffen würde. Bei Naruto sieht das schon ganz anders aus: In welchem Dorf würde ich am liebsten leben? Welche Kräfte besäße ich? Zu welchem Clan würde ich gehören? Was könnte es noch für neue, coole Charaktere geben? Solche oftmals als Kinderserien abgestempelte Anime sind oftmals auch ein Quell unbegrenzter Vorstellungen und Geschichten; von kaum einer anderen Serie gibt es derart viele Fanfictions.


Geschichten der Fantasie

Das Ganze gibt es natürlich nicht nur im Japanischen Raum – auch amerikanische Hollywood-Produktion können solche Welten entfalten, allen voran „Harry Potter“. In mehreren Filmen begleitet man die Hauptcharaktere in ihrem Schul-Alltag, lernt die ‚Häuser‘ und Lehrer kennen – man erfährt eigentlich alles, was man wissen muss, um vollständig eintauchen zu können. Es werden ganze Hintergrundstorys ausgearbeitet von bekannten Autoren der Schulbücher bis zum Stammbaum einzelner Familien. Auch Naruto und Fairy Tail profitieren von einem solchen Stil, bei dem man sich nach einer Zeit so gut in der Welt auskennt, dass man dort leben könnte.

Hogwarts


Möglichkeiten das Potenzial zu Nutzen

Jetzt hat man einmal eine solch riesige Welt ausgebaut und die interaktiven Elemente zu den jeweiligen Franchises nutzen das dadurch geschaffene Potenzial keineswegs aus. Stattdessen folgen z.B. die (guten) Videospiel-Ableger der „Naruto: Ultimate Ninja Storm“ relativ strikt der Hauptstoryline rund um den Hauptcharakter.

Storm 3

Schon lange haben sich daher viele gewünscht endlich ihren eigenen Charakter nach ihren Wünschen zu erstellen und mehr über die Welt zu erfahren. Wie wäre es z.B. mit einem Open World-RPG samt unzähligen Nebenquests und Level-Ups? Hier könnte man seinen eigenen Charakter ausarbeiten, in einem der Ninja-Großmachts-Dörfer aufwachsen und eigenständig mit den Charakteren dort interagieren. In verschiedenen Gesprächsoptionen könnte man sich dann für den Einen und gegen den Anderen aussprechen, es würden richtige Beziehungen im Negativen und im Positiven entstehen; man würde sich endlich als Teil des Universums fühlen und nicht als Beobachter oder bloßer Nachäffer des Hauptcharakters. Die Basis ist ja schließlich schon da.


Schlusswort

Ich persönlich habe mir schon unzählige Geschichten ausgedacht, was für eine Person ich im jeweiligen Anime wäre und bin Glücklich, dass so viele Animes das ermöglichen, doch fehlt die Möglichkeit das zu Materialisieren. Eigene Fanfictions zu verfassen ist zwar möglich, jedoch sehr zeitintensiv ohne dabei viel Resonanz zu bekommen. Wenn jedoch ein Spiel das für einen übernimmt, wobei man Fragen ohne Richtig und Falsch beantworten muss, entsteht eine persönliche Naruto-Welt für jeden Einzelnen, die dann auch von Außenstehenden beachtet werden können. Auf dem Schulhof oder im Internet könnte man sich austauschen, was man an der Stelle gewählt hat – wenn alle nur die gleiche Geschichte rund um den festen Hauptcharakter erlebt haben, bleibt das Außen vor und wir werden nie richtiger Teil der Geschichte.

Vielleicht werde ich demnächst auch mal genauere Vorstellungen eines Videospiels niederschreiben, schließlich kenne ich mich da gut aus ohne mir falsche Hoffnungen zu machen. Gedanken dazu hab ich schon viele gesammelt – vielleicht wollt ihr das ja auch mal lesen, dann kann man gemeinsam darüber klagen, dass ein solches Spiel nie erscheinen wird ^^

Euer Kudantaku 🙂


Anhang

Visual Novels können genau solche Ideen gut umsetzen: Sie erzählen Geschichten (ggf.) in einem bekannten Universum und stellen einen vor Entscheidungen, wodurch sich die „digitale Geschichte“ verändert. Weder sind solche jedoch in Deutschland wirklich erhältlich, noch sind sie sonderlich ausgearbeitet; die meiste Zeit klickt man nur Texte durch, während wirkliche einflussreiche Entscheidungen à la „The Walking Dead“ oder „The Witcher 2“ nicht vorhanden sind.

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